"Wir brauchen mehr geistige Offenheit ..."

Interview
15.03.2021

 
... stellt Wien-Obmann Andreas Schiefer der MVG, aber auch den eigenen Berufskollegen die Rute ins Fenster.
Andreas Schiefer hat für das eigene Geschäft neue Ideen wie die vom Zigarettenregal getrennte Wand mit den Shishatabaken. Im Hinblick auf neue Konzepte fehlt ihm aber sowohl bei Trafikanten wie Monopolverwaltung die Gesprächsbereitschaft.
Andreas Schiefer hat für das eigene Geschäft neue Ideen wie die vom Zigarettenregal getrennte Wand mit den Shishatabaken. Im Hinblick auf neue Konzepte fehlt ihm aber sowohl bei Trafikanten wie Monopolverwaltung die Gesprächsbereitschaft.

Was hören Sie so von den Kollegen aus Wien und ganz Österreich? Was sind derzeit die beherrschenden Themen?

Derzeit wird gerade darüber spekuliert, wie sich die Steuererhöhung auswirken wird. Die letzte Preisanpassung ist ja noch nicht lange her! Ich fürchte ja, dass diesmal die Mindest-Mindesthandelsspanne wirksam wird. Die ganze Branche wartet jetzt ab, ob die Tabakindustrie vernünftig ist – oder ob wieder ein paar glauben, sich da einen Vorteil verschaffen zu müssen.

Was erhoffen Sie sich nun für die Preiserhöhung im kommenden April? Oder sehen Sie gar das Risiko, dass die wie im Vorjahr verschoben wird?

An eine Verschiebung glaube ich nicht. Und den Steuerschritt zu machen, aber die Preise nicht zu erhöhen ginge gar nicht. Im Bestfall dürfen wir uns über 20 Cent pro Packung freuen. Aber wissen werden wir es erst, wenn die Kundmachungen veröffentlicht sind.

Wie groß schätzen Sie das Risiko ein, dass der Finanzminister das geltende Steuermodell kippt und wieder einmal einen großen Brocken auf einmal haben will?

Unser aktueller Finanzminister geht eher von der Belastungsschiene ab, da wäre eine hohe Erhöhung der Tabaksteuer ein 180-Grad-Schwenk, der mich wundern würde.

Da sehe ich viel mehr Chancen bei neuen Produkten wie den Lutschsäckchen, die als neue risikoreduzierte Kategorie erfolgreich eingeführt wurden: Die gehören jetzt mit einer adäquat bemessenen Steuer­kategorie ins Tabakmonopol. Adäquat deshalb, weil sonst die verbleibenden Raucher die Steuerzeche zahlen, was ja nicht dauerhaft gehen kann. Die Finanz da mit ins Boot zu holen wäre auch ein gewisser Schutz vor Entwicklungen wie derzeit in Deutschland, wo ein Verbot der Pouches überlegt wird. Das Argument der Mehrwertsteuer, das von der Industrie da gerne genannt wird, greift aus meiner Sicht zu kurz.

Ein weiterer Chancenmarkt wäre der Hanf. Und eine Abgabe auf Nikotinliquids wäre ebenfalls eine Idee. 

...

Wären die Probleme von Trafiken in strukturschwachen Gegenden mit einem anderen Sortiment in den Griff zu bekommen?

Meine Idee für Dörfer und ländliche Gebiete mit schlechtgehenden Trafiken: Dort bräuchten wir neue Modelle mit der Handelsspanne eines Fachgeschäfts und der Erlaubnis, als Greißler – von mir aus mit einer Quadratmeterbeschränkung – auch die sonstige Nahversorgung im kleinen Rahmen übernehmen zu können. Davon könnte man leben – von einer Greißlerei mit Tabakverkaufsstelle mit 6 % Spanne kann man es nicht. Das ist, wie man schon lange weiß, in vielen Fällen kein funktionierendes Modell mehr. 

Im Hinblick auf neue Warengruppen fehlt mir die geistige Beweglichkeit bei den Trafikanten ebenso wie auf der Seite der Monopolverwaltung: Man muss einmal frei über jede Idee diskutieren dürfen – bis zur Umsetzung würde es ohnehin lange dauern. Aber so wie jetzt bleibt alles, wie es immer war. Bis es nimmer geht. Es kann ja sein, dass man im Zuge des Brainstormings draufkommt, dass eine bestimmte Idee nicht funktioniert – aber dann hat man sie wenigstens besprochen! 

Das vollständige Interview können Sie ab 19. März in der druckfrischen Printausgabe der Trafikantenzeitung nachlesen.