Shisha-Rauchen in einer geselligen Runde ist längst mehr als ein traditionelles orientalisches Ritual. Bereits im 16. Jahrhundert wurde im persisch-indischen Kulturraum eine frühe Form der Wasserpfeife genutzt, die aus einer Kokosnussschale und einem einfachen Bambusrohr bestand. Die Idee war, den Rauch durch Wasser zu leiten, um ihn zu kühlen und das Raucherlebnis angenehmer zu machen. Von dort aus verbreitete sich die Shisha über den Nahen Osten und Nordafrika weiter in das Osmanische Reich und in die arabische Welt, wo sie schnell zu einem festen Bestandteil der Kultur wurde. In den historischen Teehäusern von Istanbul und Kairo trafen sich Gelehrte, Dichter und Händler, um gemeinsam Tabak zu rauchen und sich über Politik, Philosophie und das Leben auszutauschen. Die Shisha war aber nicht nur ein Genussmittel, sondern auch ein Statussymbol – kunstvoll verzierte Pfeifen aus Messing, Silber und Glas signalisierten gleichermaßen Prestige und Wohlstand. Erst ab den 1990er Jahren hat sich das Rauchen einer Wasserpfeife – befeuert durch verstärkte Migrationsbewegungen und günstige Fernreisen – auch in Europa und der westlichen Welt durchgesetzt. So entstand ein neues Freizeitritual, welches heute in behördlich genehmigten Freibereichen von Lounges, Bars, Cafés sowie immer öfter auch im privaten Kreis zelebriert wird.

Reine Geschmackssache

Im Mittelpunkt steht dabei der Shisha-Tabak, dessen Herstellung ein durchaus komplexer Prozess ist, bevor der typische Mix aus Melasse, Glycerin, Aromen und Tabakblätter seinen süßlichen Duft verströmt. Die meisten Shisha-Tabakerzeugnisse weisen einen Anteil von etwa 30 bis 40 Prozent Tabak und etwa 60 bis 70 Prozent Melasse auf. Dabei ist das Einbringen der Melasse und das Mischen mit dem Tabak entscheidend für die spätere Rauchdichte und die dominierende Grundnote. In Sachen Aromatisierung erwartet die Shisha-Fans mittlerweile ein extrem breitgefächertes Spektrum an unterschiedlichen Geschmacksrichtungen – von cremig, würzig-erdig und exotisch bis hin zu fruchtig, beerig oder süß. „Für Anfänger sind fruchtige Sorten mit leichtem Nikotingehalt empfehlenswert, zum Beispiel Wassermelone, Pfirsich oder Traube Minze. Diese Sorten sind mild, einfach zu rauchen und nicht zu überfordernd“, sagt Michael Asmar, Shisha & Vape Experte aus Wien-Margareten. „Dark Blend-Tabakmischungen haben meist einen höheren Nikotingehalt und ein kräftigeres Aroma und sind eher für erfahrene Smoker geeignet.“

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Private Sessions boomen

Nach der coronabedingten Schließung der österreichischen Gastronomie – davon betroffen waren auch die rund 500 heimischen Shisha-Bars mit ihren bis zu 10.000 Arbeitnehmer:innen –  hat sich die heutige Szene sukzessive auf den Heimmarkt verlagert. Brancheninsider schätzen, dass derzeit über 60 Prozent der Shisha-Sessions zu Hause stattfinden – und nicht wie früher in der klassischen Lounge. Für eine entspannende Shisha-Session mit Freunden im privaten Ambiente braucht es neben der gläsernen Bowl noch folgende „Must-Haves“: Kohleanzünder, Shisha-Kohle, Kohlezange, Kopf, Smokebox (HMD), Mundstück, Schlauch und hochqualitativen Shisha-Tabak, den man ganz legal in Trafiken erwerben kann. Michael Asmar, Geschäftsführer der „Shisha World Wien“, freut sich darüber, dass seine Kunden aktuell wieder mehr Geld in hochwertige Premium-Pfeifen, Edelstahl-Setups und Zubehör für ihre privaten Home-Sessions investieren. „Während die traditionelle Shisha-Gastronomie durch das seit 2019 geltende Innenraum-Rauchverbot stark geschrumpft ist, floriert der B2C-Marktfür die eigenen vier Wände. Besonders gefragt sind momentan langlebige Pfeifen aus Edelstahl und Carbon, schlanke Säulen sowie professionelle Hitzemanagement-Systeme (HMDs) und Phunnel-Köpfe.“

Dampfen statt Rauchen

Als nikotin- und teerfreie Alternative zu herkömmlichem Shisha-Tabak bieten sich auch wiederverwendbare Shisha-Dampfsteine („Steam-Stones“) an, welche aus einem mineralischen Molasse-Granulat bestehen. Sie sind mit jedem Shisha-Kopf kompatibel und funktionieren ähnlich wie E-Zigaretten. Nur bringt hier die Hitze der Kohle die in den Steinchen gespeicherte Flüssigkeit zum Verdampfen. Das Ergebnis ist ein dichter, weißer Dampf mit intensivem Geschmack. Egal ob sündteure Premium-Shishas, unterschiedliche Kohlequalitäten, nikotinfreie Kräutermischungen oder moderne Heat-Management-Systeme, die den Tabak elektrisch erhitzen: Die weltweit wachsende Shisha-Community vernetzt und informiert sich heute großteils online über die neuesten Trends – dabei unterstützen einschlägige Blogs, Podcasts, Tutorials, DIY-Anleitungen, Instagram und zahlreiche TikTok-Influencer im Livestream.

Ultimatives Tasting-Erlebnis

Stilvolles Ambiente, angenehme Loungemusik und traditionellen Shisha-Rauchgenuss kann man aber auch ganz real in sog. „Tasting-Bars“ erleben: Dort werden verschiedene Tabaksorten ähnlich wie bei einem Whisky-Tasting professionell erklärt und anschließend in kleiner Runde verkostet. Weltweite Topadressen wie die Rooftop-Lounge Amaya in Dubai setzen inzwischen höchst erfolgreich auf ein integriertes Pairing-Konzept, bei dem Frucht-, Gewürz- oder herbe Tabaknoten präzise mit den passenden Signature-Cocktails abgestimmt werden. Shisha-Enthusiasten werden hier mit exklusiven Tabak-Blends in Kombination mit spektakulären, rauchenden Molekular-Cocktails auf einer Luxus-Dachterrasse verwöhnt. ■