Dass sich Rauchen und Sport nicht verträgt, ist erwiesen und bekannt. Mit dem Aufkommen der Next Generation Products wird ein wichtiger und sinnvoller Schritt Richtung Harm Reduktion gesetzt. Allerdings gibt es aufgrund der Neuartigkeit der Produkte noch keine validen Langzeitstudien hinsichtlich Gesundheit. Auch wenn durch Nikotin alleine keine schädlichen Langzeitwirkungen wie Krebs oder COPD auftreten, ist es doch ein (abhängig machendes) Stimulans. Speziell Nikotinpouches erfreuen sich daher wie Koffein großer Beliebtheit als Booster für Vigilanz (z.B. beim Lernen im Studium) oder die Aktivierung von Kraftreserven (z.B. beim Training im Gym). Bei E-Zigaretten und Tabakerhitzern kommt zusätzlich noch der Weg über die Lunge dazu. Gibt es Bedenken aus Fachkreisen?

Trafikantenzeitung: Ist die Verwendung von Nikotinpouches beim Sport unbedenklich?

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Dr. Karin Vonbank: Die Anwendung von Nikotinpouches bei Sportlern ist in den letzten Jahren stark gestiegen, In einer Analyse der Dopingproben vom Jahr 20211 fand sich in 23 Prozent der Kontrollen bei insgesamt 43 verschiedenen Disziplinen Spuren von Nikotin. Je nach Sportart lässt sich der Einsatz von Nikotinpräparaten aufzeigen, besonders häufig eingesetzt in Teamsportarten und Ausdauersportarten, wobei hier eine große Variabilität von 19-55 Prozent der untersuchten Proben zu finden war. Besonders häufig fand sich dies bei American Football, Fußball, Eishockey und Ringen, Bobfahren, Rugby, Ski und Basketball. Langfristig gesehen kann Nikotin die Sauerstoffversorgung beeinträchtigen, was besonders bei Ausdauersport zu Einschränkungen in der sportlichen Leistung führen kann. Bezüglich der langfristigen Schäden von Nikotinbeutel und Snus gibt es noch nicht ausreichend Langzeitstudien, aber es zeigen sich negative Folgen auf das Herz-Kreislaufsystem, es fanden sich erhöhte Krebsarten etwas bei Bauchspeicheldrüsenkrebs, chronische Bauchspeicheldrüsenentzündungen, aber auch Folgeerkrankungen wie Mundschleimhautveränderungen. Da dies meist bereits im Jugendalter eingenommen wird, werden Nikotinpouches auch als „Einstiegsdroge“ bezeichnet, da diese Substanzen ein hohes Suchtpotential haben, auch durch den meist höheren Nikotingehalt.

Über die Verbesserung der Ausdauer gibt es derzeit eine widersprüchliche Studienlage.

Auf welche körperlichen Anzeichen soll man achten, wenn man vorhat, beim Sport Nikotin zu konsumieren?

Die Wirkung von Nikotin im Körper aus den sogenannten „Smokeless Tobacco“ Produkten ist prinzipiell die gleiche wie bei herkömmlichen Zigaretten. Das Nikotin gelangt über die Mundschleimhaut in den Blutkreislauf in das Gehirn. Durch Bindung an nikotinerge Rezeptoren werden Dopamin und weitere Neurotransmitter freigesetzt. Nikotin aktiviert das sympathoadrenale System, führt zu einer Erhöhung der Herzfrequenz, Gefäßverengung und einem Anstieg des Blutdrucks sowie der Katecholamine.

Gibt es eine nachweisliche Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit mit Nikotin?

In den bislang aufgezeigten Studien fand sich positive Effekte auf Aufmerksamkeit und Wachsamkeit, zudem wird durch die Erhöhung der Neurotransmitter die Stressbelastung und Angstzustände reduziert. Zudem wird angenommen, dass die Regeneration verbessert wird. Über die Verbesserung der Ausdauer gibt es derzeit eine widersprüchliche Studienlage, in Studien wurden Sauerstoffveränderungen und erhöhte Lipolyse nachgewiesen, in anderen fand sich keine signifikante Steigerung.

Gibt es einen empfohlenen zeitlichen Abstand vor/nach dem Sport für die Verwendung von NGPs?

Die Wirkung von Nikotin über Nikotinpouches setzt innerhalb von 1-5 Minuten ein, da dies über die Mundschleimhaut in den Blutkreislauf und nach ca. 10-20 Minuten in das Gehirn gelangt. Dies führt zu erhöhter Herzfrequenz, Anstieg des Blutdrucks und Freisetzung von Neurotransmittern. Die Effekte durch Nikotinpouches sind länger andauernd, aber prinzipiell abhängig von der Art des Produktes und Stoffwechsel. Nebenwirkungen wie Schwindel, Übelkeit und Kopfschmerzen können insbesondere zu Beginn auftreten.

Nikotin gilt nicht als verbotenes Doping. Könnt sich das noch ändern?

Nikotin steht derzeit nicht auf der Liste der verbotenen Substanzen der Welt Anti-Doping Agentur (WADA), ist aber seit 2012 im Monitoring Programm der WADA aufgenommen. Das bedeutet, Substanzen wie Nikotin werden bei der Analyse der Dopingproben untersucht, ob sich ein Hinweis auf einen möglichen Missbrauch zur Leistungssteigerung im Sport finden lässt. Sollten Daten belegen, dass die betreffende Substanz zur Leistungssteigerung im Sport eingesetzt wird, so kann eine Aufnahme in die Verbotsliste möglicherweise erfolgen.

Vielen Dank für das Interview! ■

Zur Person

Prim PD Dr. Karin Vonbank ist Internistin, Pulmologin und Sportärztin. Darüber hinaus ist sie Ärztliche Direktorin Klinik Pirawarth in Wien, Leiterin der kardiopulmonalen Funktionsdiagnostik (Abteilung für Pulmologie, Medizinische Universität Wien, Klinik für Innere Medizin II) sowie Mitglied der ärztlichen Kommission NADA.
www.medvonbank.at